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Der Künstler

Bericht  einer Journalistin für die Zürichsee-Zeitung anlässlich der Ausstellung in der Vogtei Herrlberg im Mai  2005

VITTORIO DEL BASSO - VULKAN AUS DEM SÜDEN

Vittorio Del Basso, geb. 1938 in Bari und seit 1963 in der Schweiz, stellt zusammen mit drei Skulpturen des Bildhauers David Pepe das Farbfeuer­werk seiner neuesten Bilder in der Galerie Vogtei in Herrliberg aus. Die Ausstellung dauert vom 17. April bis 22. Mai.

Nur selten noch findet man in der heutigen Kunstszene Maler, die ihre Sujets derart realistisch darstellen wie Vittorio Del Basso.
Seine auf dem Wasser zum Flug startende Ente spritzt so echt, dass man sich nach einem Frottiertuch umsieht. Sein Stilleben mit den Granny Smith Äpfeln ist so gemalt,dass man in die Früchte beissen möchte. Seine glänzenden Tomaten könnten auf einem Plakat für Bio-Gemüse werben,...wenn da nicht irgendwo ein akribisch exakt gezeichnetes Insekt oder ein Käfer den Appetit verderben würde. Solche kleinen Beilagen fügt er häufig an.Sie sind das „Gewürz", das den Gourmet vom Kantinenkoch unter­ scheidet. Sie sind ein Hinweis darauf,dass ein rasch entstandener Eindruck von fotografisch plakativer Kunst korrigiert werden kann in Richtung Symbolik und Geist.

Vittorio Del Basso in seinem Atelier
 

Sinnliche Wahrnehmung

Ein starker sinnlicher Bezug zur gemalten Materie ist bei Del Basso immer nachvollziehbar. Feuer,  Wasser, Erde, Sand, Wurzelholz oder Schlamm werden physisch spürbar und formen sich oftmals morphologisch zu menschlichen (weiblichen) Leibern. Vegetation und Erotik sind ineinander verschlungen, am klarsten zu erkennen bei den dem italienischen Grotesken Maler Giuseppe Arciboldo (17. Jh.) nachempfundenen Frauenakten „La donna vegetale" oder „La donna esotica", die eine ganz aus Früchten und Gemüse gestaltet, die andere aus tropi­schen Blumen und Früchten.

So viele Projekte
In dieser Richtung existieren viele Werke und es sind weitere am Entstehen. Eines, das dem WWF gewidmet ist, wird einen Mann und eine Frau zeigen.
Er besteht aus Tieren, die vom Aus­sterben bedroht sind, sie aus ebensolchen Pflanzen.

Ein weiteres Projekt ist eine Frauenge­stalt, die nur aus Händen in verschiedenen Hautfarben und in vielfältigen Gesten gestaltet ist. Del Basso arbeitet in seinem kleinen Atelier in der Feldmeilemer Wohnung stets an mehreren Bildern gleichzeitig.
Sein Ideenfluss ist eruptiv, der Output beeindruckend, als ob der Autodidakt, der erst nach seiner Pensionierung die Kunst zur Hauptbeschäftigung machen konnte und erst vor zwei Jahren zu seiner ersten Ausstellung eingeladen hatte, in Zeitnot noch ein Lebenswerk vollenden möchte.

Meisterhafter Zeichner
Aber natürlich hat er schon seit seiner frühen Kindheit gezeichnet und gemalt. „Zeichnung ist die Redlichkeit der Kunst",soll Ingres in seinen Memoiren geschrieben haben.
Dass Del Bas­so darin ein Meister ist, beweisen seine unzähligen Bleistift- oder Billograf-Portraits von Hunden und Katzen,
aber auch von Menschen, die den Gezeichneten naturgetreuer abbilden als ein Passbild.

Zeichnen wurde dann auch zu seinem Beruf, indem er nach einem Ingeni­eurstudium und mehrjährigem Aufenthalt in Venezuela als Zeichner für technische Explosions- und Fantomzeichnungen arbeitete und später selbständig ein Atelier für Grafik, Design und Illustration in Feldmeilen führte.

Für seine Auftraggeber wie Industriekonzerne, Bootswerften, Technische Zeitschriften, Autofirmen und Architekturbüros entwickelte er spezielle Zeichen- und Maltechniken, die er heute als Künstler auch anwenden kann. Sie basieren hauptsächlich auf Airbrush-, kombiniert mit Pinseltechnik, welche den Farben zu ungewöhn­licher Intensität verhelfen.
Explosive Farbigkeit, das könnte das Markenzeichen Del Bassos sein, gäbe es da nicht auch noch zarte Aquarelle, gäbe es nicht die Wüstenbilder oder das graue Bild von einem winterlichen Nebelwald mit einem Hoffnungsstrahl von Sonne. Es ist somit nicht leicht, diesen Künstler zu klassifizieren; in ihm steckt noch Ueberraschungspotential.